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damals |

Ich bin sechs Jahre. Meine Hände und Arme stecken tief im kalten, nassen Lehmmatsch, im Gesicht, in den Haaren, an den Hosen, er klebt überall, teilweise schon angetrocknet. Es gibt nichts wichtigeres… wie neues Wasser heran schaffen, mehr Lehm in den Trog kippen und mit der Pampe die Mauer einer Burg formen. Meine Mutter: Helmut, wie siehst du aus?

heute

Ich bin 55 Jahre. Meine Hände und Arme stecken tief im kalten und nassen Lehmmatsch, im Gesicht, in den Haaren, an den Hosen, er klebt überall, teilweise schon angetrocknet.
Es gibt nichts wichtigeres wie neues Wasser heran schaffen, mehr Lehm in den Trog kippen und mit der Pampe die Mauer eines Strohballenhauses verputzen.
Dazu der Geruch von frischem Stroh wie in der Kindheit beim Toben in der Scheune.
Meine Mutter ruft nicht, es ist Sina, die Hausherrin: komm, las uns eine Pause machen.
Kichererbsensalat und Nusskuchen warten, alles vegan.

besser Stroh im Haus als im Kopf

Das Haus steht in der Nähe von Hannover, die Strohballen hat ein Landwirt aus dem Ort geliefert, extra fest gepresst, geringer Feuchtegehalt – das ist wichtig. Damit es weitergeht, müssen drei Lagen Lehmputz aufgetragen werden, nacheinander, jede Schicht muss austrocknen. Mit den bloßen Händen hole ich den Lehm aus der Wanne, und massiere ihn ins Stroh, 1 cm dick, nicht mehr, eine Hand nach der anderen, von unten nach oben, passe auf, dass das Holz des Holzständerhauses möglichst wenig verschmiert wird.
Das ist mein kleiner Beitrag zum Bau des Hauses von Freunden, die die tolle Idee hatten, sich ein ökologisch anspruchsvolles Haus zu errichten – ein Holzständerhaus. Die Gefächer sind mit Strohballen als Wärmedämmmaterial gefüllt, keine Mauern aus Stein, nach unten dämmt Schaumglasschotter, darauf die Betonplatte. Zwischen den Dachsparren unter den Ziegeln klemmen auch Strohballen, abgedeckt mit Holz zum Innenraum hin. Ein zentraler gemauerter Ofen, versteckt unter der Treppe, ein Grundofen, wird das ganze Haus heizen. In der Heizperiode muss einmal am Tag Holz nachgelegt werden.

Stroh macht Bauherren froh – ökologisch & nachhaltig

Seit letztem Jahr ist Stroh mit Lehmputz in Deutschland bauaufsichtlich zugelassen, Feuerwiderstandsklasse F90, wenn ein Brenner 90 min auf die äußere Lehmschicht feuert, brennt die Wand nicht. Kein Polystyrol, das giftige Gase freigesetzt, wenn es brennt.
Ich bin fasziniert von Stroh als Baustoff, als Wärmedämmung.
Das Stroh ist völlig unbehandelt, keine chemischen Zusätze. Getreidehalme binden beim Wachsen CO2, das bei der Ernte anfallende Stroh ist in fast unbegrenzter Menge vorhanden, für die Herstellung eines Strohballens wird extrem wenig Energie benötigt, ungefähr 100 mal weniger wie für Mineralwolle oder Polystyrol. Stroh weist gute Dämmeigenschaften auf, die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,52 W/m² K, Passivhausstandard ist erreichbar.
Wenn das Haus irgendwann abgerissen wird, ist es kein Sondermüll, ist es kein Bauschutt, es ist nur Stroh mit Lehm. Die Ökobilanz ist verdammt gut und wir hinterlassen einen kleineren ökologischen Fußabdruck.

So sieht nachhaltig aus!

Weitere Infos:
Fachverband Strohballenbau Deutschland (FASBA) e.V  
Ökodorf Sieben Linden

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